Grundsätzliches:
Grundfahraufgaben dienen dem Nachweis, dass der Bewerber das Kraftrad selbständig handhaben kann, die Grundbegriffe der Fahrphysik kennt und sie richtig anwenden kann (Fahrzeugbeherrschung).
Die Aufgaben sind möglichst an den Anfang der Prüfung zu legen. Sie sind, wenn möglich, außerhalb des öffentlichen Verkehrs, sonst auf verkehrsarmen Straßen und Plätzen durchzuführen. Sind zur Durchführung der Aufgaben Markierungen erforderlich, so sind dazu Leitkegel zu verwenden. Diese müssen mindestens 15 Zentimeter hoch sein und dürfen keine Bodenplatte haben.
Die Ausweichaufgaben werden nur nach “links” geprüft.
Die Vorschriften der STVO sind zu beachten; so ist zum Beispiel wenn eine Aufgabe am Fahrbahnrand beginnt der Blinker zu betätigen. Vor jeder Aufgabe (Anfahren) muss der rückwärtige Verkehr durch Spiegelbenutzung und Schulterblick beobachtet werden.
Voraussetzung für die Ablegung der Fahrprüfung ist die Fähigkeit des Bewerbers, selbständig das Motorrad zu bewegen. Hierzu gehören neben dem Aufstellen und dem Herunternehmen vom Mittelständer (!) das Anlassen des Krafrades mit allen dazu notwendigen Handgriffen. Die Fähigkeit zur selbständigen Handhabung ist NICHT gegeben, wenn der Bewerber das Kraftrad nicht auf den Ständer stellen oder von ihm herunternehmen kann, ihm das Kraftrad umkippt oder wenn er mit nicht ordnungsgemäß eingezogenem Ständer losfahren möchte.
Alle Aufgaben sind sitzend in der Ebene durchzuführen (Ausnahme: Anfahren in einer Steigung).
 Das war wirklich 1973 als eine der Grundfahrübungen geplant!
Der Bewerber hat bei der Prüfung geeignete Schutzkleidung (Motorradhelm, -handschuhe, -jacke, -hose und -stiefel) zu tragen.
Folgende Grundfahraufgaben sind durchzuführen:
Fahren eines Slaloms mit Schrittgeschwindigkeit
6 Kegel mit einem Abstand von je 3,5 Metern
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Erläuterung der Aufgabe und Fehlerbewertung
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Der Bewerber hat eine Slalomstrecke (6 Leitkegel [Mindesthöhe 15 cm], Mittenabstand 3,5 Meter) mit Schrittgeschwindigkeit (cirka 4 - 7 km/h) unter Beibehaltung des Gleichgewichtes und mit richtiger Handhabung von Kupplung, Gas und Fußbremse zu durchfahren.
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Fehlerbewertung:
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- Nichteinhalten der Schrittgeschwindigkeit
- Auslassen eines Feldes
- Umwerfen eines Leitkegels
- Absetzen eines Fußes auf die Fahrbahn
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Stop and go
Erläuterung der Aufgabe und Fehlerbewertung:
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Mehrfaches Anfahren und Anhalten (mindestens vier mal). Abgestimmtes Betätigen von Kupplung, Gas und Bremse. Füße nur zum Abstützen des Kraftrades im Stand von den Fußrasten nehmen und auf die Fahrbahn setzen.
Dabei soll gezeigt werden, dass die Neigung des Kraftrades nach der einen oder anderen Seite bewusst erfolgt, indem zweimal der linke und zweimal der rechte Fuß abgesetzt wird.
Beobachtung des rückwärtigen Verkehrs ist nur zum ersten Anfahren erforderlich. Ein Gangwechsel während der Aufgabe ist nicht gefordert.
Fehlerbewertung:
-Anfahren im falschen Gang
- Abwürgen des Motors
- Füße nicht auf den Fußrasten außer zum Abstützen beim Stand
- Abstützen nach nur einer Seite
Anfahren in einer Steigung
 Erläuterung der Aufgabe und Fehlerbewertung:
Anfahren im ersten Gang an einer Steigung mit höchstens 10 %; dabei kann das Kraftrad mit der Hand- oder der Fußbremse gehalten werden. Die Füße sind spätestens dann auf die Fußrasten zu stellen, wenn das Kraftrad stabilisiert ist.
Fehlerbewertung:
- Nicht festhalten des Kraftrades mit der Bremse
- Mehr als 50 Zentimeter zurückrollen
- Abwürgen des Motors
- Zu starkes Gasgeben beim Anfahren
- Anfahren im falschen Gang
- Abheben des Vorderades beim Anfahren
- Füße nicht auf den Rasten, sobald das Kraftrad stabilisiert ist
 Abbremsen mit höchstmöglicher Verzögerung
Erläterung der Aufgabe und Fehlerbewertung:
Der Bewerber hat das Kraftrad unter gleichzeitiger (?) Benutzung beider Bremsen mit höchstmöglicher Verzögerung aus einer Geschwindigkeit von 50 km/h (Klasse MÂ = 40 km/h) zum Stillstand zu bringen, ohne dass das Kraftrad dabei merklich von der Fahrlinie abweicht.
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Die Aufgabe setzt voraus dass sichergestellt ist, dass eine Gefährdung des nachfolgenden Verkehrs ausgeschlossen ist; deshalb ist eine Beobachtung des rückwärtigen Verkehrs (Spiegel- und Schulterblick) vor Beginn der Bremsung nicht erforderlich.
Ein kurzzeitiges Blockieren des Hinterrades wird nicht beanstandet, wenn das Kraftrad dabei stabil gehalten wird.
Fehlerbewertung:
- Zu schwache Betätigung der Handbremse
- Zu geringe Ausgangsgeschwindigkeit
- Wesentliches Abweichen von der Fahrlinie mit dem Vorderrad
- Nichterreichen der höchstmöglichen Verzögerung
Schneller Slalom
Erläuterung der Aufgabe und Fehlerbewertung:
Der Bewerber hat eine Slalomstrecke (Länge ca. 80 Meter, 5 Kegel mit einem Mittenabstand von je 9 Metern, anschließend 2 Kegel mit einem Abstand von je 7 Metern) mit einer Anfangsgeschwindigkeit von mindestens 30 km/h mit annähernd gleichbleibender Geschwindigkeit zu durchfahren. Die Aufgabe darf nicht im ersten Gang gefahren werden. Kupplungsbereitschaft ist erforderlich.
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Fehlerbewertung:
- Zu geringe Geschwindigkeit
- Auslassen eines Feldes
- Umwerfen eines Leitkegels
- Berühren der Fahrbahn mit einem Fuß
Ausweichen vor einem Hindernis
Erläuterung der Aufgabe und Fehlerbewertung:
Beschleunigen des Motorrades auf etwa 50 km/h (Klasse M = 40 km/h), vor einer markierten Stelle um ca. 1 - 1,5 Meter nach links ausweichen und, ohne zu bremsen, auf die ursprüngliche Fahrlinie zurückkehren. Danach abbremsen bis zum Stillstand.
Das Ausweichen darf frühestens 9 Meter vor der markierten Stelle beginnen. Vor Beginn des Ausweichmanövers ist auszukuppeln.
Die Aufgabe setzt voraus, dass eine Gefährdung des nachfolgenden Verkehres ausgeschlossen ist; deshalb ist eine Beobachtung des rückwärtigen Verkehrs (Spiegel- und Schulterblick) vor Beginn des Ausweichens nicht erforderlich.
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Fehlerbewertung:
- Zu geringe Ausgangsgeschwindigkeit
- Zu frühes oder nicht ausreichendes Ausweichen
- Bremsen vor Wiedererreichen der ursprünglichen Fahrlinie
- Nicht auskuppeln
- Ursprüngliche Fahrlinie wird nicht annähernd erreicht
- Herunternehmen eines Fußes oder beider Füße von den Rasten vor dem Stillstand
- Nicht anhalten am Ende der Übung
- Umwerfen eines Leitkegels
Ausweichen nach Abbremsen
Erläuterung der Aufgabe und Fehlerbewertung:
Beschleunigen auf etwa 50 km/h (Klasse M = 40 km/h), dann kurz abbremsen und nach dem Lösen der Bremse mit einer Geschwindigkeit im eigenstabilen Bereich (ca. 30 km/h) vor einer markierten Stelle um etwa 1 - 1,5 Meter nach links ausweichen und, ohne zu bremsen, auf die ursprüngliche Fahrlinie zurückkehren. Abbremsen und anhalten. Das Ausweichen darf frühestens 7 Meter vor der markierten Stelle beginnen. Vor Beginn des Ausweichens ist auszukuppeln.
Die Aufgabe setzt voraus, das sichergestellt ist, dass eine Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer ausgeschlossen ist; deshalb ist eine Beobachtung des rückwärtigen Verkehrs (Spiegel- und Schulterblick) vor Beginn des Ausweichens nicht erforderlich.
Fehlerbewertung:
- Zu geringe Ausgangsgeschwindigkeit
- Zu frühes oder nicht ausreichendes Ausweichen
- “Herumlenken” des Kraftrades um das Hinderniss
- Nicht lösen der Bremsen beim Ausweichen
- Bremsen vor dem Wiedererreichen der ursprünglichen Fahrlinie
- Nicht auskuppeln
- Ursprüngliche Fahrlinie wird nicht wieder erreicht
- Herunternehmen eines Fußes oder beider Füße von den Rasten vor dem Stillstand
- Nicht anhalten als Abschluss der Übung
- Umwerfen eines Leitkegels
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Bewertung der Grundfahraufgaben
Jede Aufgabe der Prüfung darf einmal wiederholt werden, wenn einer der genannten Fehler gemacht wurde.
Wird eine Aufgabe auch bei der Wiederholung nicht fehlerfrei ausgeführt, ist die praktische Fahrerlaubnisprüfung nicht bestanden.
Die Prüfung gilt schon beim ersten Versuch als nicht bestanden, wenn der Bewerber:
- den Verkehr ungenügend beobachtet und es dadurch zu einer Gefährdung kommt,
- eine Person, ein Fahrzeug oder einen anderen Gegenstand (z.B. Bordstein etc.) - ausgenommen Leitkegel - anfährt,
- stürzt.